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Um Futterrationen zu planen, muss man den Bedarf eines Pferdes kennen. Da ist zunächst einmal das verdauliche Rohprotein und die verdauliche Energie zu berücksichtigen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass diese Größen proportional zu dem metabolischen Körpergewicht und der geforderten Leistung sind. Egal ob heranwachsende Pferde, trächtige oder laktierende Stuten, Freizeitpferde oder Hochleistungssportler, für alle ist eine gute Einschätzung des Körpergewichtes und der Leistungsanforderungen Basis der Kalkulation.
Ähnlich sind auch die Bedarfe an Mengen- und Spurenelementen proportional zum Körpergewicht und können gut abgeschätzt werden. 

Die für jedes Pferd indivuell richtige Fütterung ergibt sich aus dem Abgleich der in den Futtermitteln enthaltenen Nährstoffe mit dem Bedarf des Tieres. Berücksichtigt wird Alter, Körpergewicht und Leistungsklasse des Pferdes.

Warum also Rationsplanung?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: der Gesundheit Ihres Pferdes zu liebe.
Denn das richtige Futter und die richtige Menge trägt zur Gesunderhaltung der Pferde (und natürlich Ponys) in großem Maße bei. Und nur ein gesundes Pferd fühlt sich wohl und ist auch zu Leistungen bereit. Allein wer also wirklich weiß, was sein Pferd braucht, kann sicher sein, dass er es nicht über- oder unterfüttert.

Was sind die Konsequenzen falscher Fütterung?

Frisst das Pferd zu viel, kommt es zu Verfettungen, diese können wiederum die Knochen und Sehnen, das Herz und die Leber schädigen. überfütterung kann auch zu Hufrehen und Koliken führen, durch Unterfütterung ist eine Fruchtbarkeitsstörung und im schlimmsten Fall der Verlust des Fohlens im Mutterleib zu befürchten. Dieses sind nur einige, extreme Beispiele. Die Fehlversorgung des Pferdes kann aber auch andere, nicht so offensichtliche Folgen haben.
Ein Fohlen z.B., das in der Wachstumsphase viel Kraftfutter bekommt, wächst im äußeren Eindruck zunächst einmal enorm. Durch die hohe Futtermenge entwickeln sich Muskulatur und Weichgewebe schnell, das Knochengerüst des Fohlens allerdings kommt da nicht mit. Es ist anzunehmen, dass ein solches Fohlen später einmal gesundheitliche Probleme bekommen wird. Futtermangel hingegen kann sich vor allem im Winter schädlich auf die Fellbildung auswirken. Denn durch Unterfütterung wird das Fell nicht richtig gebildet, es isoliert nicht ausreichend gegen Kälte und der Wärmehaushalt des Pferdes kommt durcheinander. Da sich das Pferd nun schlechter vor Witterung und Kälte schützen kann, greift der Körper die isolierende Fettschicht an und braucht Energievorräte auf.
Auch die Versorgung des Pferdeorganismus mit Vitaminen und Mineralstoffen ist wichtig für die Gesundheit. Zu wenig, aber auch ‚Zuviel des Guten‘ kann das Pferd krankmachen. In Fertigfuttermischungen (Müslis etc.) sind meist schon eine Menge dieser Grundversorgungsstoffe enthalten. Der Rückgriff auf weitere, spezielle Mineralstofffutter kann also genau das Gegenteil des Gewünschten bewirken.
Ein weiteres Negativbeispiel bietet die überfütterung mit Eiweißen. Der Eiweißüberschuss führt zur Leistungsminderung, da alles überschüssige, d.h. vom Pferd nicht verwertbare Eiweiß über die Nieren abgebaut und ausgeschieden werden muss. Wird zu viel Eiweiß gefüttert, kann dies zu Nieren- und Leberschäden führen. Dies soll eine genaue Rationsplanung verhindern.

Natürlich kann auch die beste Planung nicht alle Eventualitäten ausschließen. So kann wohl niemand wirklich hundertprozentig bestimmen, was genau in der gefütterten Kost enthalten ist, denn schon Heu unterscheidet sich je nach Standort, Zeit des Schnitts, Wetterlage während des Wuchses, Bodenverhältnissen und Düngung erheblich. Dasselbe gilt im Prinzip für alle anderen Futtermittel (Stroh, Hafer…). Auch die Bestimmung dessen, was das Pferd denn nun wirklich frisst ist sicher nicht ganz einfach. Manche Pferde fressen auf dem Paddock Erde und nehmen hierdurch Mineralien auf. Andere stehen im Offenstall und haben eine gemeinsame Heuraufe aus der nicht alle Herdenmitglieder gleichviel fressen.
Trotz dieser Unwägbarkeiten kommt aber eine rationsbestimmte Fütterung der für das Pferd optimalen Versorgung am nächsten, was zur Gesunderhaltung und zum Wohlbefinden unserer Vierbeiner in großem Maße beiträgt.

Was ist pferdegerechte Fütterung?

Wir wollen also mit der geplant rationierten Fütterung unsere Pferde gesunderhalten.
Und hierfür gilt die grundsätzliche Regel: Ein Pferd braucht Raufutter. Um das zu verstehen muss man sich nur das Leben von Pferden in freier Wildbahn anschauen, denn auch die heutigen domestizierten Sport- und Freizeitpferde haben noch immer die gleichen Grundbedürfnisse wie ihre wildlebenden Kollegen.

In der freien Natur haben sich die Pferde fast ausschließlich mit der Futtersuche beschäftigt, sie haben also die überwiegende Zeit des Tages gefressen. In der Wildbahn allerdings wurde den Tieren ihr Futter nicht auf dem Tablett präsentiert (gemeint: in der Box oder im Futterstand vorgelegt). Wildpferde mussten sich mit dem zufrieden geben, was sie fanden. Und das war meist karge Kost, d.h. raufaserreiches und energiearmes Gras. Daran ist der Organismus gewöhnt und das braucht das Pferd um gesund zu bleiben.
Da überständiges Gras nicht so leicht zu verdauen ist und die vom Pferd benötigten Nährstoffe nicht so einfach aufzuschließen sind, ist der Organismus des Pferdes auf langes Kauen eingestellt. Auch dieses Prinzip muss für die richtige Fütterung beachtet werden. Pferde brauchen etwas zum Kauen, und das möglichst den ganzen Tag (auf keinen Fall weniger als 6 Stunden täglich). Das ist sowohl für die Verdauung, als auch für den normalen Zahnabrieb, als auch für die ausreichende Beschäftigung wichtig. Ein Pferd, das nicht genug zu tun hat, kann sich solche Unarten wie Weben, Koppen oder Scharren angewöhnen.
Pferde mit normalem Bedarf (Erhaltung bis mittelschwere Arbeit (siehe unten)) brauchen am Tag etwa 0,8 – 1,0 kg rohfaserreiches Raufutter (Gras, Heu, Stroh, etc) pro 100 kg Körpermasse. 1,5 Kilo pro 100 kg Körpermasse müssen es schon bei Pferden mit schwerer Arbeit sein.

Auch aus dem Fressverhalten der Wildpferde und aus dem daraus resultierenden Aufbau des Verdauungssystems (dazu unten mehr) lässt sich erschließen, dass ein Pferd immer etwas im Magen haben sollte. Kommt es zu größerem Hunger, kann dieser zu gesundheitlichen und psychischen Problemen führen. Darum sollte ein Pferd nicht weniger als drei Malzeiten am Tag erhalten, die so portioniert sind, dass das Futter auch über Nacht nicht ausgeht. Besonders gut hierfür eignen sich Fütterungsautomaten, die die Pferde selbständig über 24 Stunden mit kleinen Futterrationen versorgen.

Was muss man über Futtermittel wissen um Rationen planen zu können?

Heute wird von verschiedensten Herstellern eine kaum zu überblickende Menge an Futtermitteln und Futterzusätzen angeboten. Was da das Richtige für mein Pferd ist, ist doch sehr schwer zu entscheiden. Allgemein grundsätzlich gilt aber für alle Pferde und Ponys und alle Futtermittel: Jedes Futter muss frei von Schimmel, sonstigen Verderbnissen und Verunreinigungen sein. Ein Pferd ist ein sensibler Nahrungsverwerter, bei dem schon kleinere Störungen zu gesundheitlichen Problemen führen können. Darin unterscheiden sich Pferde von anderen Haus- und Nutztieren wie z.B. Rindern. Dieser Grundsatz ist für unser Fütterungsverhalten enorm wichtig und er sollte von jedem beachtet werden.
Jedes Pferd oder Pony hat, wie gesagt, einen unterschiedlichen Bedarf an z.B. Rohfaser, Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralien. Dieser hängt vom Körpergewicht und der zu verrichtenden Arbeit ab. Wie viel der einzelnen benötigten Stoffe in der gefütterten Nahrung (Heu, Stroh, Hafer) enthalten ist, lässt sich aus Futterwerttabellen (z.B. der DLG Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) entnehmen. Auf Fertigfuttermitteln sind die verschiedenen Bestandteile meist ausgeschrieben.
Leider sind gerade die Beipackzettel von fertigen Müslis, Mash oder sonstigen Futterzusätzen verwirrend. Wenn ich mein Pferd nun also wirklich bedarfsgerecht füttern will, gilt es erst einmal zu verstehen, was ich da eigentlich genau verfüttere.

Was ist die Trockensubstanz eines Futtermittels?

Als Trockensubstanz wird das Futter bezeichnet nachdem ihm alles Wasser entzogen wurde. Dafür wird das Futter stark erhitzt (103°C) und unter dieser Hitze 4 Std. getrocknet. Dabei entweicht das Rohwasser. Zu wissen, wieviel Trockensubstanz ein Futtermittel enthält ist wichtig, denn ein Pferd kann pro Tag nur eine bestimmte Menge Nahrung aufnehmen, wobei hier eben die Trockensubstanzmenge maßgeblich ist. In einigen Tabellen wird der Inhalt des Futters pro Kg Trockensubstanz angegeben, oder einige Stoffe pro Kg Trockensubstanz und andere bezogen auf die Frischsubstanz. Wieder andere Tabellen beziehen ihre Angaben nur auf die Frischsubstanz.

Was ist die Weender Analyse?

Als Weender Analyse wird das Verfahren bezeichnet, mit dem nach dem Ermitteln der Trockensubstanz (dies gehört auch schon zur Weender Analyse) die anderen noch im Futter enthaltenen Bestandteile erforscht werden.
Es wird die Trockensubstanz des Futters gewogen und dann wird das Ganze bei 550°C erhitzt. Die in der Trockensubstanz enthaltenen organischen Stoffe (die holzigen Teile der Pflanzen, Stärke, Zucker und Eiweiße) verbrennen, übrig bleiben die anorganischen Stoffe wie Mineralstoffe (z.B. Kalzium, Natrium, Chlor, Eisen, Kupfer, Selen) und die in jedem Futtermittel enthaltenen Verunreinigung (Sand, Ton). Dieser Rest wird als Rohasche bezeichnet. Daran erkennt man schon, dass in einem Futter natürlich nicht wirklich Asche enthalten ist, gemeint ist nur die durch das eben beschriebene Verfahren ermittelte Menge an Mineralstoffen und Verunreinigungen.
Wiegt man nun die Rohasche und zieht das Wiegeergebnis von dem Gewicht der Trockensubstanz ab, erhält man das Gewicht der in der Trockensubstanz enthaltenen organischen Stoffe, die organische Substanz des Futters.

Was ist Rohprotein?

Rohprotein ist eine organische Substanz der Nahrung, nämlich das Eiweiß. Es dient zum Aufbau von Muskelmasse und wirkt in den Stoffwechselprozessen, in denen Stickstoff umgesetzt wird. Unbedingt zu beachten ist, dass Rohprotein nicht gleich verdaulichem Rohprotein ist. Das erste beschreibt nur die im Futter wirklich enthaltenen Eiweiße. Das verdauliche Rohprotein gibt den Teil des Proteins an, den das Pferd wirklich verwerten kann. Dieser ist geringer als der Proteingehalt eines Futtermittels. Auf den Beipackzetteln der meisten Futtermittel ist der Eiweißgehalt schon als verdauliches Rohprotein angegeben (in g pro kg FS).

Woher bekommen Pferde ihre Energie?

Energie oder auch Kraftstoff liefern dem Pferd die Kohlenhydrate und die Fette in der Nahrung. Dabei werden Kohlenhydrate in Form von den Mehrfachzuckern Stärke und Saccharose durch das Futter aufgenommen und im Körper in die Einfachzucker Fructose und Glucose gespalten, wodurch das Tier Energie gewinnt. Auch hier ist die Unterscheidung von Energie und verdaulicher Energie zu beachten. Die verdauliche Energie gibt wieder den tatsächlich verwertbaren Teil an. Dieser wird auch auf den Futtermitteln angegeben (in MJ pro kg FS).
Übrigens: Bei steigender Arbeitsintensität steigt zwar der Energiebedarf des Pferdes, nicht aber sein Eiweißbedarf. Und Energie bekommt das Pferd am besten durch die Verwertung von Raufutter.

Was ist der Protein-Energie-Quotient?

Dieser beschreibt das Verhältnis der Grundnährstoffe (verdauliches Protein und verdauliche Energie), die ein Pferd braucht, untereinander. Für eine gesunde Ernährung ist es wichtig, dass die Proteinfütterung zur Energiefütterung in einem angemessenen Verhältnis steht. Dieses sollte 5:1 betragen.

Was ist Rohfaser?

Rohfasern sind die ‚holzigen‘ Teile der Pflanzen, die Gerüstsubstanzen (überwiegend Cellulose). Sie bestehen aus Kohlenhydraten, die schwer verdaulich sind und keinen oder nur geringen Nährstoffgehalt haben. Je länger eine Pflanze wächst, um so mehr Gerüstsubstanzen benötigt sie für ihre Haltbarkeit. Darum ist älteres Gras rohfaserreicher als frisch aufgewachsenes.

Was sind Mineralstoffe?

Mineralstoffe sind Mengen- und Spurenelemente, die das Pferd zur richtigen Funktion des Stoffwechsels benötigt. Mengenelemente sind z.B. Kalzium, Magnesium, Phosphor, Natrium, Kalium, Chlor und Schwefel. Zu den Spurenelementen gehören Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Kobalt, Selen und Jod. Für unter anderem den Aufbau der Knochen und Zähne, für die Muskelbewegung und die Aktivierung der Verdauungsenzyme ist eine ausreichende Versorgung mit Mineralstoffen sehr wichtig. Dabei ist ein ausgewogenes Verhältnis von Kalzium und Phosphor zu beachten. Es sollte bei 1,5-2 : 1 liegen. Denn Phosphorüberschuss verursacht Kalziummangel, Phosphor bindet nämlich Kalziumionen, die dann gar nicht mehr vom Körper aufgenommen werden können. Das führt zum Ausschleusen von Mineralien aus den Knochen. Übrigens: Die Knochen nehmen auch beim erwachsene Pferd am Stoffwechsel teil, das führt dazu, das alle Kalzium- und Phosphormoleküle in einem bestimmten Zeitraum komplett ausgetauscht werden.

Wozu Vitamine?

Vitamine sind für den Organismus lebenswichtig, denn sie wirken auf den Stoffwechsel und sind Bausteine von Enzymen.
Einige Vitamine sind essentiell, d.h. sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden, da der Körper sie nicht selber bilden kann. Hierzu zählt Vitamin E. Vitamin B 1 und B 2 können vom Körper selbst produziert werden, allerdings gelingt die Synthese nur bedingt, darum müssen auch diese Vitamine zugefüttert werden. Auch reines Vitamin A, muss dem Organismus zugeführt werden, es kann aber auch aus Vitaminvorstufen (z.B. ß-Carotin, in größeren Mengen zu finden in Weidegras und Möhren) im Körper hergestellt werden.
Vitamin D hingegen wird vom Pferd selbst gebildet. Vorraussetzung ist allerdings Tages- oder besser Sonnenlicht!!! Nur unter Lichteinwirkung (UV-Strahlung) kann Vitamin D in der Haut produziert werden. Und die UV-Strahlen dringen nicht durch Fenster! Auch Vitamin B 12 kann das Pferd in ausreichendem Maße selber herstellen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das richtige Futter für ein Pferd? Und welche Menge soll es davon bekommen?

Die Antwort auf diese Fragen ist von mehreren Faktoren abhängig.

Erstens: Der zu leistenden Arbeit

Grundsätzlich ist für jedes Pferd, und zwar egal ob jung oder alt, klein oder groß, dick oder dünn und egal ob es nur rumsteht oder körperlich stark gefordert wird, Raufutter in Form von Gras, Heu, Heulage, Silo oder Stroh das richtige Futter. Je nach individueller Verfassung des Tieres und den Leistungsanforderungen können hierzu natürlich Kraftfutterportionen (Hafer, Mais, fertige Futtermischungen) gegeben werden.
Was und wie viel ein Pferd bekommt hängt davon ab, wie viel Energie es aufwenden muss, um seine tägliche Arbeit zu erfüllen. Steht das Pferd den ganzen Tag auf der Weide oder wird es vielleicht über den Tag nur etwas spazieren geritten, so muss es nur so viel Futter haben, wie es zur leichten Fortbewegung, zur Atmung und sonstigen Muskelbewegung braucht. Dies ist dann der Erhaltungsbedarf. Zu beachten ist aber, dass der Erhaltungsbedarf von Pferd zu Pferd unterschiedlich ist. Er hängt vom Alter des Tieres, der Rasse, vom Temperament und von der Umgebungstemperatur ab. Der Erhaltungsbedarf einer tragenden Stute steigt übrigens erst im achten Monat der Trächtigkeit, denn erst dann fängt das Fohlen im Bauch an zu wachsen, d.h. wirklich größer zu werden. Erst ab dieser Zeit frisst die Stute sozusagen für zwei.
Ein Pferd kann auch leichte bis schwere Arbeit verrichten, es braucht dann entsprechend mehr Futter. Arbeit meint allerdings nicht das Können des Reiters, gemeint ist die reine Laufarbeit des Pferdes. Auch der Deckeinsatz eines Hengstes, die Trächtigkeit und die Laktation sind als Arbeit zu bewerten. In der untenstehenden Tabelle sind allgemein anerkannte Definitionen der Arbeitsintensität aufgeführt.

Erhaltung: Weidegang oder Stehen in der Box, leichtes Reiten.

Leichte Arbeit: 1 Std. Reiten (Pferd muss schwitzen) in der Bahn oder Halle oder 3 Std Schrittausritt.

Mittlere Arbeit: 2 Std. Arbeiten in der Bahn oder Halle oder 1 Std. leichter oder ½ Std. mittlerer Trab

Schwere Arbeit: mehrstündige Arbeit in der Bahn oder Halle oder 1 Std. leichter und ½ Std. mittlerer Trab oder ¼ Std. Galopp

Wachstum: Ein mittelschweres Warmblut wird mit 10% seiner entgültigen Körpermasse geboren. Mit einem halben Jahr hat es bereits 45% seines Endgewichts erreicht. Mit einem Jahr wiegt es 60% und mit zwei Jahren 80% seines adulten Gewichts. Mit drei Jahren hat das Pferd dann fast sein Endgewicht (95%) erreicht.

Gravidität (Trächtigkeit): Während der Trächtigkeit hat die Stute einen, über ihren normalen Erhaltungsbedarf hinausgehenden, erhöhten Bedarf an verdaulicher Energie und verdaulichem Rohprotein. Dieser ergibt sich aus der Größe und dem Entwicklungsstand des Fohlens, der Fruchthülle und der Nährstoffspeicherung. Außerdem sollte die Stute bis zum Abfohlen 4% ihrer Lebendmasse an Fett zugenommen haben, das begünstigt ein frühes Einsetzen der Fohlenrosse und eine gute Milchbildung.

Laktation: Das Säugen des Fohlens erfordert von der Stute eine erhöhte Aufnahme an verdaulichem Rohprotein (3,5-fache des Erhaltungsbedarfs) und verdaulicher Energie (2-fache des Erhaltungsbedarfs). Die Milchproduktion ist dabei von einer möglichst optimalen Ernährung abhängig. Ein mittelschwere Warmblutstute (600kg) produziert z.B. im ersten Monat ca.17l Milch, im dritten Monat 20l und im fünften Monat noch ca. 14l Milch pro Tag.

Deckeinsatz: Auch ein Hengst im Deckeinsatz hat einen erhöhten Energie- und Eiweißbedarf. Dieser ist allerdings nicht so hoch, wie gemeinhin angenommen. Außerdem ist zwischen dem Absamen, Bedeckungen an der Hand und freier Weidebedeckungen zu unterscheiden. Ein Hengst, der in „aller Ruhe“ abgesamt wird, hat keinen viel höheren Bedarf. Deckt der Hengst hingegen frei auf der Weide, kann er sich im Anblick der Stuten stark aufregen und hat eine erhöhte Laufaktivität. Darum braucht ein solches Tier in der Saison mehr Futter.

Bei leichter Arbeit steigt der Energiebedarf gegenüber dem Erhaltungsbedarf um 20%. Bei mittlerer Arbeit gibt es eine Steigerung von 20-50%, bei schwerer Arbeit steigt der Bedarf um 50-100% und für schwerste Arbeit gibt es eine Steigerung von 150% und darüber.

Zweitens: Der Körpermasse des Pferdes

Ein weiterer, wichtiger Punkt zur Berechnung des individuellen Bedarfs eines Pferdes, ist seine Körpermasse. Denn anhand seines Gewichtes können die von ihm benötigten Mengen von z.B. Rohfaser, Energie, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen errechnet werden.
Aber Achtung: der Bedarf an Trockenmasse, verdaulicher Energie und verdaulichem Rohprotein eines Pferdes im Vergleich zu z.B. einem Pony ist nicht doppelt so hoch, nur weil es doppelt so viel wiegt. Durch viele Tests und Forschungen ist inzwischen klar, dass der Bedarf dieser Stoffe nicht linear mit dem Körpergewicht wächst. Er bleibt vielmehr hinter dem zunehmenden Körpergewicht zurück. Maßgeblich ist hier die sog. Metabolische Körpergröße. Um diese zu berechnen wird das Gewicht des Tieres, also die Lebendmasse mit 0,75 potenziert (LM0.75). Denn der Bedarf ist, wie umfangreiche Tests herausfanden, proportional zu dieser metabolischen Körpergröße.
UND ACHTUNG: Viele Bedarfsempfehlungen der landwirtschaftlichen Ämter gehen vom Endgewicht (adultes Gewicht) des Tieres aus! Dem unterschiedlichen Bedarf eines Fohlens im Vergleich zu einem erwachsenen Pferd trägt die Definition der zu verrichtenden „Arbeit“ (hier Wachstum, siehe oben) Rechnung.
Wie viel wiegt denn nun aber mein Pferd?
Der einzig sichere Weg das herauszufinden ist die Waage. Denn Achtung: Auch Profis verschätzen sich immer wieder, wenn es um das Gewicht eines Pferdes geht. Also: entweder man selbst oder der Stallbetreiber hat eine Pferdewaage oder man greift auf einen kleinen Trick zurück: Bei vielen Futtermittelmärkten oder Baustoffhändlern gibt es öffentliche Waagen. Man braucht also nur einen leeren Pferdeanhänger und dann den Pferdeanhänger mit dem Pferd wiegen. Zieht man nun die Leermasse vom Gewicht des Anhängers mit Pferd ab, hat man das Gewicht seines Tieres.
Übrigens: nicht nur zur richtigen Berechnung der Futterration ist die Körpermasse wichtig. Auch für die genaue Medikamentendosierung ist das richtige Körpergewicht von entscheidender Bedeutung.

Was sollte man über die Verdauung des Pferdes wissen?

Die Verwertung der Nahrung fängt bei Pferden schon im Kopf an. Genauer gesagt im Maul. Dort zerkleinern sie die aufgenommenen Nahrungsteile und bereiten sie auch durch starkes Einspeicheln auf die weitere Passage durch den Verdauungstrakt vor. Starkes Kauen ist wichtig für die Gesundheit, denn dadurch werden die Zähne naturgerecht abgenutzt. Hakenbildung durch falsche oder nicht ausreichende Zahnnutzung kann zu erheblichen weiteren Problemen wie Risse in der Mundschleimhaut und Widersetzlichkeit beim Reiten führen. Beachtlich ist dabei, dass stark rohfaserreiches Futter (Heu, Stroh, etc.) sehr viel mehr gekaut und eingespeichelt wird als rohfaserärmeres und eiweißreiches Futter (z.B. Zusatzfuttermittel).
Die weitere Verdauung des Nahrungsbreis erfolgt im (bei mittelgroßen Pferden) rund 15 l fassenden Magen. Raufutter wird aufgrund der stärkeren Zerkleinerung und Einspeichelung im Magen schneller verdaut als Zusatzfutter.
Im vorderen Magenteil beginnt die Zersetzung des Futterbreis über die mit dem Futter aufgenommenen Mikroorganismen, die in diesem Magenteil hervorragend gedeihen und die ihrerseits die Nahrung aufschließen. Im hinteren Magenteil wird der Nahrungsbrei dann von saurem Magensaft umspült, wodurch der pH-Wert des Futters absinkt.
Da der Magensaft gut zerkleinerte und eingespeichelte Nahrung besser durchdringen kann, sinkt der pH-Wert bei z.B. Heu sehr viel schneller und stärker als bei Zusatzfutter. Bei einem niedrigen pH-Wert sterben die Mikroorganismen ab, was wichtig ist, da der Dünndarm sehr empfindlich ist. Eine Überlastung des Darms mit den an der Nahrung haftenden und nicht abgestorbenen Mikroorganismen kann durch weiteren mikrobiellen Abbau des Futters im Dünndarm zu starker Gasentwicklung und Milchsäurebildung führen und dieses wiederum zu Koliken.
Im hinteren Magenteil beginnt außerdem die Aufspaltung des Futters und der Eiweißabbau, welcher dann im Dünndarm fortgesetzt wird.
Achtung: kann ein Pferd während der Futteraufnahme beliebig viel trinken und kommt es vor allem schnell an Wasser (wenn die Selbsttränke direkt neben dem Futtertrog angebracht ist), kann das dazu führen, dass noch nicht ausreichend aufbereiteter Futterbrei durch das ‚Nachspülen‘ in den Darm gelangt. Dies hat dann wieder eine überhöhte Belastung mit Mikroorganismen zur Folge. Es sollte also beim Stallkonzept darauf geachtet werden, dass die Pferde zumindest ein paar Schritte bis zur Tränke machen müssen.
Nachdem die Nahrung den Magen passiert hat, gelangt sie in den Dünndarm. Dieser ist bei mittelgroßen Pferden ca. 18 m lang. Im Dünndarm wird der Futterbrei durch abwechselnde Muskelbewegungen hin und her bewegt, es kommt zum Kontakt mit der Darmwand und die aus dem Brei gelösten Stoffe können in die Blutbahn aufgenommen werden.
Im Gegensatz zur Magenverdauung läuft die Verdauung im Dünndarm bei einem hohen pH-Wert (7-8) ab. Auch hier birgt schlecht gekautes und angedautes Zusatzfutter Probleme. Durch das rohfaserarme und eiweißreiche Futter wird vermehrt Milchsäure gebildet (siehe oben), damit sinkt der pH-Wert im Darm auf 6 ab. Dies kann wiederum zu Aufgasungen und Koliken führen. Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem hohen Stärke- und Zuckergehalt von solchen Zusatzfuttern in Verbindung mit der relativ kurzen Verweildauer der Nahrung im Dünndarm (nur etwa 1 ½ Stunden). Dort können Zucker und Stärke nur (zeitlich) bedingt verarbeitet werden. Frisst das Pferd nun zuviel Zusatzfutter auf einmal, gelangen Stärke und Zucker unverdaut in den Blinddarm, wo sie zu Aufgasungen und Koliken führen können.
Im Blinddarm (bei mittelgroßen Pferden ca. 1m lang), dem ersten Teil des Dickdarms, werden die im Dünndarm nicht verdauten Stoffe und vor allem der Rohfaseranteil des Futters durch bakterielle Vorgänge verwertet. Würde das Pferd über den Tag nicht ausreichend rohfaserreiche Nahrung aufnehmen, würden die für die Zersetzung des Raufutters zuständigen Mikroorganismen im Blinddarm absterben und Platz für schädliche Organismen machen. Darum ist es sehr wichtig, dem Tier immer genug rohfaserreiche Kost anzubieten.
Außerdem werden im Blinddarm die körpereigenen Vitamine gebildet. Auch hier führt eine erhöhte Dosis an rohfaserarmen Futter aus besagten Gründen zur unerwünschten Absenkung des pH-Wertes.
An den Blinddarm schließt sich der Grimmdarm und daran der Mastdarm an. Insgesamt verbleibt der Futterbrei bis zu 15 Stunden im Dickdarm.
Alle Stoffe, die jetzt noch nicht verdaut worden sind, werden als Abfallstoffe vom Körper wieder ausgeschieden. Bei einem 600 kg-Pferd fallen täglich ca. 18 kg Pferdeäpfel an. Und auch an den Ausscheidungen lässt sich erkennen, ob die Verdauung im normalen Rahmen abgelaufen ist. Findet man z.B. ganze Haferkörner in den Pferdeäpfeln, so ist es sicher, dass dieses Tier Probleme mit seiner Futterverwertung hat. Denn optimal sollten die Pferdeäpfel fest und grün bis dunkelgrün gefärbt und gleichmäßig strukturiert sein. Dann kann man davon ausgehen, dass das Pferd eine gute Verdauung hat.

Links:

Futterrationen berechnen

Literatur:

Helmut Meyer, Manfred Coenen

Pferdefütterung

Parey Buchverlag Berlin

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